Sichere Landesstraßen
Wie lange sollen wir in Dornbirn darauf noch warten?
Die Landesstraßen, die durch Dornbirn führen, sind an vielen Stellen gefährlich: Vor allem für Kinder, die auf dem Schulweg eine Landesstraße überqueren müssen. Seit Jahren machen Anrainer:innen, Eltern, Bürgerinitiativen und die Stadt Verbesserungsvorschläge. Doch umgesetzt wurde kaum etwas. Wir fordern das Land Vorarlberg auf, all diese Gefahrenstellen endlich zu entschärfen!
Bergstraße: Eine neue Bürgerinitiative für den Schulweg
An der Nordseite der Volksschule Oberdorf verläuft die Bergstraße. Viele Kinder müssen sie auf dem Weg zur Schule überqueren, und das kann gefährlich werden. Die Autos kommen zu schnell um die Kurve und die Stelle ist nicht gut einsichtig. Eltern und Anrainer:innen haben deshalb eine Bürgerinitiative gegründet. Sie sammeln Unterschriften und treten dafür ein, dass das Land diesen Abschnitt der Landesstraße sicherer gestaltet und das Tempo reduziert. Die Unterschriftenliste liegt in der Bäckerei Stadelmann auf und kann hier herunter geladen werden.
Wir bitten alle, die Initiative mit ihrer Unterschrift zu unterstützen!

Um den Schulweg für alle nördlich des Steinebachs zu verkürzen, haben wir Verhandlungen mit Spar Mathis angestoßen, um einen direkten Weg über den Bach und am Rand des Parkplatzes zur Schule realsisieren zu können.
Kein Einzelfall
Die Bergstraße ist nicht die einzige Stelle in Dornbirn, wo das Überqueren einer Landesstraße zum Risiko wird. Am Oberfallenberg hat die Landesbehörde (Bezirkshauptmannschaft) einen Schutzweg über die Bödelestraße entfernt, statt ihn entsprechend der Straßenverkehrsordnung umzugestalten: Mit besserer Beleuchtung und reduziertem Tempo. Die Menschen müssen die Straße trotzdem queren und haben jetzt überhaupt keine Querungshilfe mehr.
Für die Hatlerstraße, wo es schon Tote und Verletzte gegeben hat, beantragte die Stadt schon im Jahr 2017 Tempo 40. Das hat die Landesbehörde abgelehnt, ohne auf die Argumente der Stadt einzugehen.
Besonders lang ist die Geschichte der Haselstauderstraße. 2020 und 2023 gab es dort tödliche Unfälle. Seither setzen sich Menschen für Verbesserungen ein, auch im Rahmen der Bürgerinitiative „Verkehrslösung sicheres Ortszentrum Haselstauden“ . Bereits im Mai 2009 hatte das Land als Eigentümer der Straße bei einer Bürgerversammlung eine Verkehrsberuhigung nach dem Vorbild des Ortszentrums Wolfurt in Aussicht gestellt. 2024 wurde eine verkehrsberuhigte Umgestaltung mit Fertigstellung Ende 2026 angekündigt. Es geschah nichts - bis auf eine zeitweilig aufgestellte Tafel „Freiwillig Tempo 30“ – was niemanden schützt, der die Straße überqueren muss. Der Umbau wurde wieder verschoben, nun ist von 2028 oder 2029 die Rede. Richtig wäre dort eine Begegnungszone mit Tempo 20. Doch das Land hat wohl andere Pläne.

An der Lustenauerstraße L 204 hat die jüngste Neugestaltung die Lage für Fußgänger:innen und Radfahrende teilweise sogar verschlechtert. An der Kreuzung mit Höchsterstraße, Nummerngasse und Baumgarten, einer der meistgenutzten Querungen zwischen Hatlerdorf und Innenstadt, müssen sie nun per Knopfdruck Grün anfordern. Eine Anrainerin hat gemessen, dass querende Fußgänger:innen 23 Sekunden haben, während die Grünphase für den Autoverkehr fast zweieinhalb Minuten dauert. Das Land sieht darin keinen Fehler und verweist auf die Auslastung des Straßennetzes durch den Autoverkehr. Dass man sich im eigenen Mobilitätskonzept von 2019 vorgenommen hat, Druckknopfampeln für Fuß- und Radverkehr im städtischen Raum abzubauen, ist offenbar aus dem Blickfeld geraten.
Die Folgen reichen bis in die Wohngebiete. Durch den Rohrbach fahren täglich rund 13.000 Autos laut Verkehrszählung vom November 2024. Das Auto bleibt das Verkerhsmittel der Wahl, wenn auf die Bedürfnisse von Menschen, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs sind, nicht geachtet wird.
Die rechtlichen Möglichkeiten sind vorhanden
Mit der Novelle der Straßenverkehrsordnung 2024 unter Verkehrsministerin Leonore Gewessler ist Tempo 30 auf Landesstraßen deutlich leichter umzusetzen. Die zuständige Straßenbehörde kann in Ortsgebieten bei besonderem Schutzbedürfnis, etwa vor Schulen, Kindergärten oder Spielplätzen, die Höchstgeschwindigkeit vereinfacht senken, ohne aufwendige Gutachten. Das wäre die einfachste und günstigste Sicherheitsmaßnahme mit großer Wirkung: Bei Tempo 50 ist der Anhalteweg mehr als doppelt so lang wie bei Tempo 30. Wenn ein Kind plötzlich auf die Fahrbahn tritt, entscheidet genau das darüber, ob ein Auto noch rechtzeitig zum Stehen kommt.

Auch im Straßengesetz des Landes ist geregelt, dass Straßen sicher benützbar sein müssen, insbesondere für "schwächere" Verkehrsteilnehmer: Der Straßenerhalter hat die öffentlichen Straßen (...) so zu bauen, dass sie den bestehenden und voraussehbaren Verkehrsbedürfnissen der Verkehrsteilnehmer, insbesondere auch der schwächeren Verkehrsteilnehmer, entsprechen und bei Beachtung der straßenpolizeilichen und kraftfahrrechtlichen Vorschriften und unter Bedachtnahme auf die durch die Witterung oder Elementarereignisse bedingten Umstände ohne besondere Gefährdung benützt werden können. (§ 38 Vorarlberger Straßengesetz)
Das Land hat 2023 auch eine aufschlussreiche Broschüre zur Umsetzung von Begegnungszonen auf Landesstraßen verfasst. Doch umgesetzt wurde in Dornbirn – trotz des dringenden Bedarfs bislang – nichts.
Worauf wartet das Land?
Die Werkzeuge sind da, die Gefahrenstellen sind bekannt, und die Bevölkerung hat ihre Anliegen oft und deutlich vorgebracht. Wir fragen: Warum wird gewartet, und welches Risiko nimmt man damit in Kauf? Wir fordern die Landesregierung auf, gefährliche Querungen auf den Dornbirner Landesstraßen rasch zu entschärfen – mit Begegnungszonen, mit Tempo 30, mit sicheren Übergängen und Querungshilfen. Es darf keine weiteren schweren Unfälle geben.
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