Lust auf die "neue" Lustenauerstraße?
Die Landesstraße L204 Lustenauerstraße wurde neu asphaltiert und ein wenig verändert. Großes hat man vor Jahren verkündet: Neugestaltung, Mitsprache... Die Stadt hatt eine bescheidene Möglichkeit, Vorschläge zu Neuerungen zu machen. Was hat sich für den Rad- und Fußverkehr verändert?
- Kronenkreuzung und Spital
Dort fällt auf, dass der Gehweg auf das Spitalsgelände verlegt wurde. Ein breiter Asphalweg wurde (zu) nahe an den dort wachsenden Platanen gebaut. Es ist zu hoffen, dass sie die grobe Behandlung länger als acht Jahr überleben (das ist die Zeitspanne, die ein Pilz in etwa benötigt, über eine Wunde an der Wurzel in den Baum einzudringen und die Wasserführenden Adern im Stamm zu verschließen).

Doch bald wird der Fußweg wieder auf die Straße geführt, der Radstreifen ist gleich schmal wie zuvor, wurde allerdings abschnittsweise rot eingefärbt.

- Querung Baumgarten / Nummerngasse, Einmündung Höchsterstraße
Ein neuralgischer Punkt ist die Kreuzung Lustenauerstraße/Höchsterstraße/Nummerngasse/Baumgarten. Dies ist eine vom Rad- und Fußverkehr stark genutzte Querung der Lustenauerstraße von Hatlerdorf in die Innenstadt. Dort gibt es eine Verbesserung und eine Verschlechterung:
- Wer mit dem Fahrrad vom Baumgarten kommt, Richtung Dornbirner Ache queren will und sich bei der Ampel aufstellen will, "darf" jetzt den Gehsteig befahren, die neue Markierung macht es legal.

- Die Ampel ist jedoch eine "Bettlerampel" geworden. Wer dort zu Fuß oder mit dem Fahrrad queren will, muss drücken - oder hoffen, dass Kraftfahrzeuge aus der Höchstraße in die Lustenauerstraße einbiegen wollen. Sonst bleibt die Ampel rot.

Eine Anrainerin hat dazu mit dem zuständigen Mitarbeiter der Straßenbauabteilung des Landes korrespondiert, da sie erstaunliche Schaltzeiten gemessen hatte: "Die gestoppte Rotphase an der Lustenauer Straße beträgt 23 Sekunden. In dieser Zeit können die Radfahrer die Kreuzung queren und die Fußgänger schnell laufen, und das, während in dieser extrem kurzen Zeitspanne die Autos von der Höchster Straße kommend ebenfalls ihre Grünphase haben.
Und jetzt raten Sie bitte, wie lange die Grünphase für die Verkehrsteilnehmer entlang der Lustenauerstraße ist: Es sind unglaubliche zwei Minuten und 29 Sekunden.
Vor der Baustelle (...) war die Ampelschaltung für alle Richtungen gut eingestellt.
Bei der jetzt neuen Einstellung muss dieser gravierende Fehler passiert sein."
Die (auszugsweise) Antwort der Straßenbauabteilung lautete, es liege kein Fehler vor: "Minimale Wartezeit: 11 Sekunden (Häufigkeit im Auswertungszeitraum: zwei Mal), mittlere Wartezeit: 23 Sekunden, maximale Wartezeit: 94 Sekunden (Häufigkeit im Auswertungszeitraum: zwei Mal)"
(...) "Die Hauptachse L204 verfügt über ein signalisiertes Dauergrün."
(...) Eine Änderung der Schaltung ist wegen der Netzauslastung an der L204 und deren Zuflüssen nicht möglich. Die unterschiedlichen Verkehrsflüsse von den vorgelagerten Kreuzungen kommen an dieser Anlage in Verkehrsblöcken an. Diese Blöcke müssen zur Stauvermeidung im gesamten Straßenzug exakt so abgearbeitet werden, da jeder Eingriff in die Signalzeiten unweigerlich zu netzweiten Rückstaus führt. (Hervorhebungen: J.A.)
Die Anrainerin bezweifelt die Praxistauglichkeit für alle Verkehrsteilnehmer:innen und fragt nach, ob und wie die lange Grünphase auf der Lustenauerstraße unterbrochen werden kann. Die Antwort: Der Autoverkehr auf der Höchsterstraße wird (über Schlingen im Asphalt) automatisch erkannt und unterbricht, ebenso der Druck auf den Taster der Ampel durch Rad- oder Fußverkehr.
Wer zu Fuß oder mit dem Fahrrad dorthin kommt, wird also nicht automatisch erkannt, sondern muss "betteln", obwohl das Land in seinem Mobilitätskonzept von 2019 auf Seite 73 festgelegt hat: "weiterhin konsequente Umsetzung von fußgängerfreundlichen Lichtsignalanlagen (längere Grünphasen, geringere Wartezeiten, gegebenenfalls Abbau von Lichtsignalanlagen und Reduktion der Ampeln mit Druckknopfregelungen für für FußgängerInnen und RadfahrerInnen im städtischen Raum.)"
Das gilt offenbar nicht mehr. Mit dem Fahrrad vermeiden Viele die Ampel und queren, sobald der Autoverkehr auf der L204 es zulässt direkt zwischen Baumgarten und Nummerngasse. Wer zu Fuß den Schutzweg benützt, muss warten, daran denken, den Knopf zu drücken oder hoffen, dass Autos aus der Höchsterstraße kommen. Auch die Bushaltestelle, ein Konfliktfeld zwischen Fahrradverkehr und wartenden Buspassagieren, wurde nicht verbessert.
- Weniger Schutz an der Querung Bäumlegasse / Egeten
Auf Höhe Bäumlegasse / Egeten (beim Tivoli, vormals Schwanen) wurde die schützende Mittelinsel entfernt, da "schützen" nur noch Markierungen. Die Blockmarkierung für die Fahrradquerung kommt hoffentlich noch.

Es wurde die Chance verpasst, dem dichten Fahrradverkehr auf der Achse Bäumlegasse - Egeten eine direkte Querung (ohne Schlenker nach Westen) zu ermöglichen, was auch bessere Sicht auf den Autoverkehr von Osten ergeben hätte.
Fazit: Dem Land und dem Straßenbaulandesrat sind die eigenen Vorgaben offenbar nicht wichtig. Vermeintliche Beschleunigungsmassnahmen werden zu Hindernissen für alle. Gruppen von Verkehrsteilnehmer:innen werden behindert, andere - so scheint es - bevorzugt, was dann andernorts zu Staus führt. Eine Entschleunigung des gesamten Verkehrs würde ihn verflüssigen und dadurch ein rascheres Vorankommen für alle ermöglichen. Stattdessen wird immer noch auf die Erhöhung der Fahrzeuggeschwindigkeiten gesetzt. Doch das senkt die Leistungsfähigkeit der Verkehrsadern. Schade um die vergebene Chance!
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