RHESI – woher kommen die Steine?
Im Youtube-Kanal "Held der Steine" wäre die Begrüßung zu einem Thema mit Steinen wohl so: "Welt, seid mir gegrüßt, ich bin der Held der Steine aus Frankfurt am Main im Herzen von Europa..."
Dornbirn aber liegt fast am Rhein, deshalb hat das Projekt RHESI auch hier vielfältige Auswirkungen: Hochwasserschutz, Renaturierung, ökologisch wertvolle Lebens- und Erholungsräume, aber nicht nur das.
Projekt im Mai 2026 bei der Behörde eingereicht
Es ist soweit: In seiner heutigen Sitzung (17. März 2026) hat der Bilaterale Ausschuss - das oberste Führungsorgan der Internationalen Rheinregulierung - entschieden, das Genehmigungsverfahren für das Hochwasserschutzprojekt Rhesi im ersten Halbjahr 2026 zu starten.
In seiner letzten Ausbaustufe wird das Rheintal in der Vorstellung der RHESI-Planer idealerweise so aussehen:

Wer würde das nicht wollen? Um den Zustand im Bild zu erreichen, müssen jedoch sehr große Mengen an Kies und Gestein bewegt werden. Durch eine wasserbaulich geschickte Abfolge von Bauphasen im Rahmen von RHESI wird der Rhein daser weitgehend selbst erledigen. Das Geschiebe wird vom natürlichen Abfluss abgetragen, umgelagert und in den Bodensee verfrachtet. Wo notwendig, wird mit dem Bagger nachgeholfen, Es werden die initial notwendigen Stellen, an denen die Veränderung beginnen soll, künstlich hergestellt. Ausprobiert wurde das in jahrelangen Versuchen am Modell, das in den Sägenhallen aufgebaut war.
Doch das Projekt RHESI benötigt auch etwas, was der Rhein nicht selbst liefern kann: Flussbausteine – auch Wasserbausteine genannt.
Wasserbausteine – welche und wie viele werden benötigt?
Wasserbausteine sind unbearbeitete Bruchsteine. Diese Steine werden für dauerhafte Uferbefestigungen von Wasserbauwerken, Regenrückhaltebecken sowie Hangsicherungen und Ingenieurbauten vieler Art eingesetzt. Die geometrischen, physikalischen und chemischen Anforderungen sowie die Anforderungen an die Dauerhaftigkeit der Steine sind in Normen geregelt.
Drei Klassen werden unterschieden:
- Größenklassen | CP (Coarse Particles)
- Leichte Gewichtsklassen | LMA (Light Mass Kategorie A) und LMB (Light Mass Kategorie B)
- Schwere Gewichtsklassen | HMB (Heavy Mass Kategorie A) und HMB (Heavy Mass Kategorie B)

In den meisten Steinbrüchen erfolgt die Materialgewinnung mittels Etagenabbau. Dabei wird zunächst mit Hilfe von Erdbaumaschinen das Gesteinsmaterial freigelegt. Die zeitgemäße Sprengtechnik erlaubt, auf lärm- und erschütterungsarme Art Steine mit bis zu 5.000 kg Gewicht effizient abzubauen, ohne dass störende Einwirkungen auf die Umgebung befürchtet werden müssen.
Die folgende Tabelle gibt einen Überblick welche Kosten für Flussbausteine verschiedener Klassen angesetzt werden können. Nicht enthalten sind Transport und Nebenkosen wie Naturschutzabgaben, Winterzuschläge etc.

Die Preise können regional sehr unterschiedlich sein, je nach Angebot von Abbaufirmen und Gesteinslagerstätten, die Steine in guter Qualität liefern können. In Vorarlberg eignen sich Gebiete mit Kalkgestein prinzipiell zum Abbau für RHESI-Steine. Eine traditionsreiche Abbaustätte ist im Rheintal der Steinbruch der Firma Rhomberg in Hohenems-Unterklien. Seit den frühen 1970er Jahren wird dort industriell Gestein abgebaut, das zu unterschiedlichen Produkten verarbeitet wird und in der Bauwirtschaft vielfältig verwendet wird. Die geologische Schichtung im Steinbruch zeigt das folgende Bild.

Aufgrund der geologisch günstigen Schichtung ist die Formation des Schrattenkalks, der sich für Flussbausteine gut eignet, dort relativ leicht zugänglich. Durch die intensive Nutzung ist der Abbau in den bisherigen Lagerstätten des Steinbuchs aber kaum mehr möglich. Das folgende Bild zeigt eine Ansicht der früheren Abbauetagen, die fast bis zum Fuß des Urgeländes herangerückt sind und in denen kein Abbau mehr stattfindet.

An der südlichen Begrenzung des Steinbruchs findet sich aber noch eine Wand, in der der Abbau von Flussbausteinen und der dabei anfallenden Nebenprodukten möglich wäre.

Oberhalb dieser Wand befindet sich das Trinkwasserschutzgebiet der Quelle Unterklien, die zur Trinkwasserversorgung der Stadt Dornbirn genutzt wird. Sie trägt je nach Schüttung zischen 8 und 12% zum Trinkwasserverbrauch der Stadt bei. Bei hohen Niederschlägen trübt sich das Wasser relativ schnell ein, weswegen der Nutzen der Quelle nicht stetig gegeben ist. Der Abbau würde die Wand ca. 200 m Richtung Süden verschieben und dem Siedlungsgebiet Ems-Reutte näherkommen.
Grundsätzlich gibt es zwei mögliche Arten des Abbaus an dieser Stelle, nämlich einen offenen Tagebau, oder einen unter Tage Abbau, der aber in der Endphase geöffnet wird. In beiden Fällen würden die Quelle und das zugehörige Trinkwasserschutzgebiet zerstört werden.
Wasserbausteine als Rohstoff
Wasserbausteine werden aber nicht nur für RHESI benötigt, sondern für viele andere Bauvorhaben, insbesondere der Wildbach- und Lawinenverbauung. Aus den erschlossenen Ressourcen des Landes Vorarlberg kann der Gesamtbedarf mit RHESI aber nicht gedeckt werden. Es wären also entweder neue Steinbrüche zu erschließen und/oder der Abbau im Steinbuch Rhomberg würde fortgesetzt werden. Oder die Steine werden von Steinbrüchen außerhalb Vorarlbergs geliefert.
Wer sich also die volkswirtschaftliche Frage der Möglichkeiten zur Rohstoffgewinnung für RHESI stellt, steht natürlich schnell vor der Kernfrage – der Kosten.
Hierfür ausschlaggebend sind
- Kosten der Abbauart (Tagebau oder unter Tage)
- Kosten des Antransports
- Erschliessungskosten neuer Abbaustellen
- Kosten der Renaturierung der Abbaustellen
Die Größenoerdnung der Baustelle Rhesi verlangt nach einer europaweiten Ausschreibung. Damit tun sich weitere Möglichkeiten der Bereitstellung auf, nämlich der Antransport aus europäischen Steinbrüchen mit Hilfe der Eisenbahn. Heute gibt es Ladegestelle oder Schüttgutcontainer, die auf universelle Containertragwagen verladen werden können und dadurch die Kosten des Umschlages von der Strasse – Schiene – Strasse erheblich verringern.
Entscheidend ist auch die Frage: Welche Klassen von Flussbausteinen benötigt RHESI und in welcher Menge?
Rhomberg Gruppe möchte ihren Steinbruch erweitern
Die Nachfrage ist da: Im Schnitt werden in Vorarlberg pro Person und Jahr für Straßenbau und Wohnraum rund zwölf Tonnen Material verbaut. Der Hochwasserschutz im Ländle schlägt mit 100 000 Tonnen Wasserbausteinen jährlich zu Buche. Zudem hat sich das Land selbst für die sichere Eigenversorgung mit Rohstoffen ausgesprochen, unter anderem mit im Vorarlberger Raumplanungsgesetz. Das Material ist auch da: „Mit dem Gestein, das wir in unserem Steinbruch Unterklien haben, könnten wir auch den Rhesi-Bedarf an Wasserbausteinen praktisch abdecken“, erklärt Hubert Rhomberg, Chef der Rhomberg Gruppe.
Es stellt sich daher eine einfach lautende doch schwierig zu entscheidende Frage:
Quelle oder Steine?
Als diese Frage vor etwa zehn Jahren in der Stadtvertretung erörtert wurde, haben sich die Dornbirner Grünen klar für die Quelle ausgesprochen. Solche Fragen müssen auf breiter Basis und transparent öffentlich erörtert werden. Denn die Bauwirtschaft wird sich weiter entwickeln und weniger Rohstoffe verwenden müssen:
- Bauen im Bestand
- Recycling Materialien verwenden
- Mehr sanieren, weniger neu bauen
Alle notwendigen Straßen sind in Vorarlberg gebaut, doch trifft das nicht unbedingt auf Eisenbahnlinien zu (Montafon, Bregenzerwald).
Für ein Projekt wie RHESI werden wir spezielle Rohstoffe brauchen, so viele Wasserbausteine werden wir "gebraucht" nirgends finden. Also wird es darum gehen, den volkswirtschaftlich besten und umweltschonendsten Weg zu finden.
Verfasser: Dieter Jussel
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