Schwitzt du noch oder leidest du schon?
Egal ob Zuhause, an der Schule, in der Arbeit, im Kranken- oder Pflegeheim – die steigenden Temperaturen machen allen zu schaffen. Und unsere Häuser halten ihnen selten stand.
35 Grad im Juni. Was früher Ausnahme war, wird zur neuen Normalität. Die Klimakrise ist in Vorarlberg angekommen – und sie zeigt schonungslos, wo unsere Städte und Gebäude auf die Zukunft nicht vorbereitet sind.

Zwei Arten von Gebäuden
In Dornbirn gibt es mittlerweile zwei Arten von Schulen und Kindergärten: die Neubauten und die anderen.
Während moderne Gebäude über gute Beschattung, zeitgemäße Technik und teilweise klimatisierte Räume verfügen, kämpfen viele ältere Standorte mit massiver Überhitzung. Manche warten seit Jahren auf notwendige Sanierungen. An heißen Tagen werden Klassenräume dort zu Belastungsräumen.
Als Antwort wird oft Hitzefrei diskutiert. Doch Hitzefrei ist keine Lösung.
Für berufstätige Eltern, die ohnehin vor neun Wochen Sommerferien stehen, bedeutet jeder zusätzliche freie Tag eine organisatorische und finanzielle Herausforderung. Hitzefrei mag für Kinder mit Garten und Pool angenehm sein. Für Kinder, die den Nachmittag in einer heißen Wohnung verbringen und deren Eltern arbeiten müssen, ist es eine Zumutung.
Die Klimakrise trifft nicht alle gleich. Wer Schatten, Grünflächen und ausreichend Wohnraum hat, erlebt Hitze anders als Menschen in dicht bebauten Quartieren oder überhitzten Wohnungen. Klimapolitik ist deshalb immer auch Sozialpolitik.
Zu heiß im Krankenhaus
Besonders alarmierend ist die Situation dort, wo Menschen bereits geschwächt sind.
Immer wieder wird von enormer Hitzebelastung im Krankenhaus Dornbirn berichtet. Gerade in südseitig gelegenen Patientenzimmern kann an extrem heißen Tagen von Regeneration kaum die Rede sein. Dabei sind hohe Temperaturen nicht nur unangenehm, sondern ein Gesundheitsrisiko – insbesondere für ältere und geschwächte Menschen.
Die Frage drängt sich auf: Wer wird bei dem aktuellen Gezerre um die Krankenhäuser diese Gebäude fit für die Zukunft machen? Und wie lange können notwendige Entscheidungen noch aufgeschoben werden?
Auch im Pflegebereich zeigt sich, wohin fehlende Vorbereitung führt. Werden Sanierungen und Anpassungen jahrelang verschleppt, bleiben oft nur kurzfristige, teure und ineffiziente Notlösungen.
Kühl bauen statt nachrüsten
Die Antwort auf die Hitzekrise liegt nicht allein in Klimaanlagen und dadurch mehr Energieverbrauch.
Vorausschauendes Bauen heißt konsequent zu beschatten, große alte Bäume zu erhalten, Fassaden und Dächer zu begrünen und Gebäude so zu planen, dass sie sich gar nicht erst aufheizen.
Riesige Glasflächen und Planungsprinzipien – wie die Südausrichtung unserer Häuser - müssen neu bewertet werden. Wenn heute noch neue Gebäude entstehen mit Betonfassaden – oder gar dunklen Betonfassaden wie im neuen Haselstauder Ortszentrum – darf man schon fragen, wie dieser enorme Hitzespeicher und damit klimatechnische Fehlplanung durch alle städtischen Gremien durchgehen konnte. Die Stimmen der Grünen waren auf jeden Fall immer dagegen.
Kühlung beginnt nicht bei der Technik, sondern bei der Planung.

Mehr Grün statt mehr Zersiedelung
Eine aktuelle Greenpeace-Analyse zeigt: Städte mit hohem Grünanteil leiden deutlich weniger unter Hitze.
Der Schluss daraus darf aber nicht sein, dass Einfamilienhausgebiete die Lösung sind. Zersiedelung kann keine Antwort auf die Klimakrise sein. Wir haben weder den Platz noch die Ressourcen, damit alle Menschen im Haus mit großem Garten leben können.
Die eigentliche Aufgabe lautet: auch dicht bebaute Stadtteile begrünen und abkühlen.
Paris macht vor, wie das funktionieren kann – mit entsiegelten Flächen, tausenden neuen Bäumen, begrünten Schulhöfen und kühlen Aufenthaltsräumen. Dichte Bebauung und Lebensqualität schließen einander nicht aus.
Am Beispiel der Nutzung der Dornbirner Ache kann man schön erkennen, wie wichtig wohnortnahe Erholungsgebiete sind und vor allem, dass steigende Lebensqualität nicht immer mit hohen Kosten einhergeht. Jetzt heißt es die Dornbirner Ache mit großen Bäumen und Bewuchs so gut als möglich zu beschatten, damit das Gewässer kühl bleibt, und noch mehr sichere Zugänge zum Flussbett zu ermöglichen.
Jede Stadt braucht eine Hitze-Taskforce
Die Hitze ist gekommen, um zu bleiben.
Deshalb braucht Dornbirn eine Hitze-Taskforce, die alle öffentlichen Gebäude systematisch untersucht und rasch Maßnahmen umsetzt. Dazu gehören einfache und wirksame Lösungen wie wärmereflektierende Folien auf Fenstern, intelligente Belüftungssysteme, konsequente Beschattung und dort, wo notwendig, auch Klimageräte.
Gleichzeitig braucht es im öffentlichen Raum kühle Rad- und Fußwege, mehr Bäume, Trinkbrunnen, Bänke und schattige Aufenthaltsorte. Menschen ohne Garten, ohne Balkon oder mit überhitzten Wohnungen brauchen Orte, an denen sie an heißen Tagen durchatmen können.
An die Klimakrise müssen wir uns anpassen. Aber wir müssen sie auch bekämpfen. Denn es macht einen gewaltigen Unterschied, ob die Erderwärmung bei etwa 1,7 Grad stabilisiert werden kann oder ob wir auf drei Grad und mehr zusteuern.
Es geht um Lebensqualität. Um Gesundheit. Um Sicherheit. Und darum, ob unsere Städte auch in Zukunft noch Orte sind, an denen Menschen gut leben können.
Wir hoffen ihr findet Erholung unter einem schattigen Baum, bei den vielen Bademöglichkeiten, die wir glücklicherweise haben, oder in den Bergen. Was haben wir doch für ein Glück ausweichen zu können, solange wir gesund und mobil sind! Lasst uns unsere hohe Lebensqualität und unsere schöne Natur gemeinsam beschützen!
Weiterführende Links:
https://www.energieinstitut.at/aktuelles/innenraeume-kuehlen-erste-hilfe-und-nachhaltige-massnahmen
https://einfachmachen.community/projects/einfach-daemmen-jetzt-einfach-selber-machen
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