"Fahr ma noch a kläle..."

"Fahr ma noch a kläle..."
Foto: Jaques Verlaeken https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0 Alte Wälderbahn in Bezau

Für eine neue Wälderbahn!

Von 1902 bis 1980 verband die Bregenzerwaldbahn das Land mit dem Wald und umgekehrt. 35,5 km war die Strecke lang, 244 Höhenmeter waren zwischen Bregenz und Bezau auf einer von Hochwasser, Felsstürzen und Erdrutschen gefährdeten Trasse zu überwinden.

2018 wurde am Institut für Eisenbahnwesen und Verkehrswirtschaft der Technischen Universität Graz ein Plan für eine neue Wälderbahn als Masterarbeit vorgelegt. Der Verfasser Martin Wakolbinger schlägt eine völlig andere Trasse vor. Die Machbarkeit einer Bahnverbindung von Dornbirn in den Bregenzerwald bis Egg und Mellau wird untersucht und bestätigt. Trassendetails und Kosten wurden erhoben, unterschiedliche Varianten geprüft. Damit sollte eine Diskussionsgrundlage erstellt werden, um eine Entscheidung mit großer Relevanz für die nächsten hundert Jahre fällen zu können.

Wäre eine solche Bahn wirtschaftlich?

Die Wirtschaftlichkeit einer Bahnverbindung in den Bregenzerwald wurde anhand eines Vergleichs mit der Montafonerbahn untersucht, die eine Region mit etwa 20.000 Menschen mit Bludenz verbindet. 2019 (neuere Zahlen sind nicht zu finden) wurden auf der Montafonderbahn 1,14 Millionen Reisende und knapp 4.000 Tonnen Güter (vor allem Holz) transportiert. Seither wurde der Fahrplan verdichtet (Halbstundentakt, am Wochenende bis spät in die Nacht) und eine Untersuchung eine Verlängerung der Bahn bis St. Gallenkirch oder Partenen vom Stand Montafon beauftragt.

Der Bregenzerwald hat eine Bevölkerung von etwa 30.000, eine Verbindung mit Dornbirn, dem zentralen Ballungsraum Vorarlbergs, hat ein wesentlich größeres Potenzial.

Was soll die Bahn leisten?

Die Planung der neuen Bregenzerwaldbahn setzt sich folgende Ziele:

  • Anbindung möglichst vieler Ortschaften
  • kurze Fahrzeiten (kürzer als PKW)
  • Minimierung der Errichtungskosten durch weitgehenden Verzicht auf Kunstbauten, möglichst kurze Tunnels und gute Geländeanpassung
  • Verzicht auf Oberleitungsbau und trotzdem elektrisch

Die Bahn soll mit normaler Spurweite und Einsatz von gängigen Fahrzeugen eine Geschwindigkeit von 80 km/h fahren können, im Tunnel zwischen Dornbirn und dem Tal der Bregenzerach 140 km/h.

Wo fährt die Bahn?

Damit ist das Wichtigste zur Streckenführung gesagt: Eine neue Bregenzerwaldbahn startet am Bahnhof Dornbirn, nutzt das Gütergleis zum Rhombergsteinbruch (muss ertüchtigt werden für den Personenverkehr) und verschwindet in einem Tunnel durch den Breiten Berg und das Hochälpele. Im Gütle kann es eine Haltestelle geben. Im dicht besiedelten und intensiv genutzten Rheintal muss bei dieser Trasse nichts völlig Neues gebaut und keine neuen Flächen verbraucht werden.

Abbildung Wakolbinger S. 41: Variante Steinbruch-Trasse auf Basis VOGIS, Straßenunterführung L190 sinnvoll

Die Streckenführung im Bregenzerwald kann einen Verzweigungspunkt in Bersbuch bekommen, um einerseits Egg und andererseits Bezau und Mellau anzufahren.

Die Arbeit zeigt eine Vielzahl an untersuchten Varianten, auch eine Abzweigung von der Vorarlbergbahn in Haselstauden wurde untersucht. Hier wird nur die besonders interessante Variante 3C dargestellt. Diese Variante hat den Vorteil besonders kurzer Reisezeiten:

  • Dornbirn - Egg: 26 Minuten
  • Dornbirn - Mellau: 28 Minuten

Das sind im Vergleich mit dem aktuellen Busverkehr unschlagbare Verkürzungen der Reisezeit zwischen zwei und 41 Minuten.

Aber auch gegenüber dem PKW verkürzen sich auf den meisten Strecken die Reisezeiten zwischen zwei und elf Minuten. Nur die Relation Dornbirn - Egg wäre um zwei Minuten länger. Dabei wird die PKW-Reisezeit um 13 Uhr (außerhalb der Stoßzeiten) betrachtet.

Die hier vorgestellte Trasse erlaubt die Fahrt Dornbirn - Egg, Dornbirn - Mellau, aber auch zwischen Egg und Mellau. Etwa 40% der Bevölkerung des Bregenzerwaldes würden im Nahbereich einer Eisenbahnhaltestelle leben.

Was kostet die Errichtung einer neuen Bregenzerwaldbahn?

Die vorgestellte Variante kostete im Jahr 2018, zum Zeitpunkt der Publikation etwa Euro 650.000.000. Indexiert mit dem Baukostenindex (ca. 33%) ergibt sich einr grober Rahmen von Euro 870.000.000.

Warum gibt es keine Diskussion dazu?

Fraglich ist allerdings, ob diese Trasse noch realisierbar ist. Die Bautätigkeit im Bregenzerwald ist intensiv, auf dieses mögliche Großprojekt wird keine Rücksicht genommen. Denn das Projekt fand leider nicht Eingang in die Langzeitplanung der ÖBB bis ins Jahr 2040.

Von Seiten der Bregenzerwäler Bevölkerung gibt es gewisse Befürchtungen zu möglichen Nachteilen durch eine engere Anbindung an das Rheintal, z.B. ein Ansteigen der Grundstückpreise. Und ohne eine klar positive Haltung zu einer neuen Bregenzerwaldbahn verläuft jede Diskussion schaumgebremst.

Die Landesregierung hat jedoch im Jahr 2019 einen Vergleich unterschiedlicher Erschließungsvarianten in Auftrag gegeben und publiziert. Eine der Varianeten war die berühmte Seilbahn über das Hochälpele ("Wälderbahn"), eine Variante 0+ sah lediglich die Weiterentwicklung des Bussystems vor:

Aus dem Schlussbericht der EBP Schweiz AG, 2019

Das Ergebnis ist mit Vorsicht zu genießen, denn die Intention des Auftraggebers spielt natürlich eine Rolle. Jedes Projekt kann durch Annahmen z.B. eine hohen Zinssatzes "tot gerechnet" werden.

Es ist schade, dass die neue Wälderbahn in keinem Zukunftsszenario fest verankert ist. Denn sie würde eine große infrastrukturelle Verbesserung bedeuten.