Mostbirnen - unverzichtbar für Dornbirner Most

Mostbirnen - unverzichtbar für Dornbirner Most

Von Dieter Jussel

In dieser Zeit Jahreszeit – so ungefähr drei Wochen nach Schulanfang – sind die Mostbirnen reif: Zitrönalär, Pichelbirnen, Subira und wie sie alle heißen. Die Namen dieser alten Sorten geraten, ungeachtet vieler lobenswerter Initiativen zur Erhaltung, zunehmend in Vergessenheit. Auch ich kann in Wirklichkeit nur Zitrönalar erkennen – alles andre sind für mich einfach Mostbirnen.

Die alten Apfelsorten haben noch mehr Fürsprache, denn Äpfel durchaus minderer Qualität – gern auch mit Würmle – hatten immer schon mehr Verwendungsmöglichkeiten als Birnen. Apfelmus oder Apfelkompott mit genug Zucker und Zitronensaft können wir aus fast allem machen. Bei den Birnen ist das anders. Die sind entweder Tafelobst oder Mostbirnen, und die sind wiederum die Underdogs des Obstbaus. Da gibt es nur zwei Verwendungsmöglichkeiten: Mosten oder Schnapsbrennen.

Der neue Brennhafen des Obst- und Gartenbauvereins

Dennoch ist ein Anteil Birnen in einem Most aus der Dornbirner Region unverzichtbar. Reinen Apfelmost oder Apfelwein gibt es überall, aber hierzulande macht die Mischung aus Birnen und Äpfeln den Unterschied.

Die erste Verkostung unmittelbar nach der Pressung ist ein entscheidender Moment, in dem wir schmecken, ob wir das richtige Verhältnis und die richtige Zeit erwischt und den Reifegrad der Birnen abgewartet haben, bis sie „saftand“. Und dann schnell die Äpfel dazu und in die Mosterei. Nach dem ersten Schluck merken wir: Oha – der ischt ruuch oder auch bockruuch, bzw. sauruuch, je nach dem, oder weich. Jedenfalls ist das Aroma der Birnen im Geruch von der ersten Sekunde an entscheidend für den „Jahrgang“. Das zieht sich vom Süssmost bis zum Gärmost durch. Auch der Essig – wer so etwas gerne hat – profitiert vom Birnenanteil.

Die Birnenbäume auf den Streuobstwiesen werden immer weniger. Nicht zuletzt hat auch die nicht immer nachvollziehbare Rodung zu Zeiten des Feuerbrandes dazu beigetragen, dass nur noch wenige Bäume zu finden sind. Es gibt sie aber immer noch, auch wenn wir sie suchen müssen. Leider befinden sie sich oftmals in einem jämmerlichen Zustand. Der rege Immobilienhandel in den Gebieten, die ehemals landwirtschaftlich als Streuobstwiesen genutzt wurden und die jetzt Gewerbegebiete sind, führt dazu, dass Grundstücke ihre Besitzer wechseln und so frühere Obstgärten in Hände kommen die an den Bäumen keinerlei Interesse haben. Das ist einerseits bedauerlich, aber es bietet engagierten Menschen die Chance, die Erträge der Bäume nutzen zu können, auch wenn sie einem nicht gehören. Wir nutzen dazu nur die modernen Methoden der Grundstückssuche und fragen einfach an, ob wir das Obst ernten oder auflesen dürfen. – Oder es wird im Stil der Hausbesetzerszene der 1980er Jahre eine „Baumbesetzung“ durchgeführt.

Leider finden wir auf dieser Suche nach Birnenbäumen Exemplare, die in einer fast dystopischen Welt stehen. Sie wissen das aber zum Glück nicht und sie schenken uns trotzdem ihre Früchte.

Hier ein Beispiel für solche Birnbäume, die nicht mehr in ihrer Welt stehen:

Auf der Flur Köblern stehen zwei Exemplare dieser neuen Spezies - Dystopie-Birnen.

Foto: Dieter Jussel