Schau! Es ist wieder Frühjahrsmesse
Seit unserem kritischen Bericht zur Dornbirner Messe ist etwa ein halbes Jahr vergangen. Ein neuer Geschäftsführer ist gekommen: Nilly Nail, der sich ans Werk gemacht hat, die Dornbirner Messe wieder auf Gewinnkurs zu bringen. Rückläufige Aussteller- und Besucherzahlen sowie hohe Personal- und Ausstattungskosten haben Substanz gekostet. Der Messe-Typ Volksfest (Messe-Hennile und Mohrenbier) hat nicht mehr funktioniert.
Die Ausgangssituation ist die Gleiche:
• Die Lage in einer eher dynamischen Wirtschaftsregion mit Industrie und hoher Exportquote
• Die Nähe zu den deutschen, schweizer und liechtensteinischen Nachbarn
• Einige moderene und einige weniger ansprechende Hallen
• Touristische Infrastruktur im Land, eine Fachhochschule für mögliche inhaltliche Kooperationen vor Ort

Ziele des neuen Messe-Teams
Jetzt soll es weniger Volksfest und mehr und profitablere Eigenmessen und Veranstaltungen geben. Gerade im Veranstaltungsbereich ist sicher Luft nach oben. Auch eine eher fachliche und kompaktere Gestaltung der Messen soll es geben - und neue Messen.
Was hat sich das Messe-Team vorgenommen?
• Ein wichtiger Impulsgeber für die Wirtschaft in der Region zu sein
• Unternehmenswachstum und wirtschaftlichen Stabilität sicherzustellen, die Rentabilität zu steigern
• Eine Weiterentwicklung und Neuausrichtung der Eigenveranstaltungen und vor allem des Messeportfolios zu erreichen
• Stärkung der Marktpräsenz in der Bodenseeregion mit Themenmessen, Fachmessen und Kongressmesseformaten
Diese Ziele zeigen: Es wird mit Wasser gekocht und ist sich dessen bewusst. Interessant erscheint eine Kombination von Tech.Con (Fachmesse für Produktions- und Prozessautomatisierung, Robotik und Digitalisierung) und Movatech (Fachmesse für Logistik und Automatisierung), die im September stattfinden wird.
Eine neue Messe "Austromobil", eine Schau der Automobilbranche, hat an drei Tagen im März bereits stattgefunden. Den Autohändlern hat die Messe gefallen, 7.000 Personen haben die Messe besucht. Ob das kostendeckend war, werden wir in Erfahrung bringen.
Doch auch andere Formate benötigen vielleicht eine Auffrischung:

Die Junge Halle auf der "Schau!"
Die Idee einer eigenen „Jungen Halle“ bei der Messe ist auf den ersten Blick bestechend: Ein Ort, an dem die vielfältige Jugendarbeit gebündelt sichtbar wird und Besucherinnen und Besucher erleben können, was Vereine und Organisationen für junge Menschen leisten. Doch dieses Konzept funktioniert nur, wenn die Messe als Ganzes ein breites Publikum anzieht. Sonst ist der hohe organisatorische und personelle Aufwand nicht zu rechtfertigen. Vier Tage Programm, Bühne und Betreuung zu stemmen, ist für viele Beteiligte eine enorme Belastung.
Deshalb braucht es den Mut, das Format kritisch zu hinterfragen. Vielleicht ist es an der Zeit, neue Wege zu gehen: eine kompaktere Version an nur einem Tag oder eine gezielte Umschichtung der Mittel in Jugendprojekte, die junge Menschen direkt stärken. Die wertvolle Arbeit des Jugendnetzwerks in Vorarlberg verdient Unterstützung – deshalb soll nicht an jenen Angeboten gespart werden, die junge Menschen im Alltag erreichen.
Und der Sport?
Die Dauermieter in der Sportzeile werden hoffentlich mehr Ruhe haben und ihre Hallen besser nutzen können. Eine sinnvolle Aufgabenteilung zwischen Sport- und Messezeile ist überfällig, scheitert aber teilweise an gesetzlichen Hürden. Da muss weiter nachgedacht werden, wie eine gedeihliche Ko-Existenz am besten organisiert werden kann.
Noch bis 12. April
Wir haben die Messe besucht, die Aufteilung in sechs Schwerpunkte (Gesundheit, Garten, Blumen, Freizeit, Genuss, Junge Halle) sehen wir als Anfang auf einem längeren Weg.
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