Neue Namen auf die wir stolz sein können: Selma-Mitteldorf-Park und Hugo-Lunardon-Straße
Zwei Menschen, die in dunkelsten Zeiten das Richtige taten, bekommen endlich einen Platz im Dornbirner Stadtbild - und ein NS-Kollaborateur verschwindet von den Straßenschildern.
In der Stadtvertretungssitzung am 07. Mai 2026 wurden der Hermann-Gmeiner-Park und die Ludwig-Kofler-Straßen endlich umbenannt. Denn wie öffentliche Parks und Straßen heißen, ist nicht egal: Wir wollen uns mit der Namensgebung an Personen erinneren, die einen Beitrag für die Gesellschaft leisteten und die damit als Vorbild in der kollektiven Erinnerung gewürdigt werden.
Das ist nicht immer einfach, darüber kann es Debatten geben, aber eine klare demokratiepolitische Aufgabe. Wir freuen uns, dass die Umbennenung des Hermann-Gemeiner-Parks relativ schnell vonstatten ging und endlich die - von uns uns seit Jahren geforderte - Umbenennung der Ludwig-Kofler-Straße geschafft ist.
Wer war Ludwig Kofler? Warum wir uns freuen, ihn nicht mehr zu ehren
1991 wurde in Dornbirn das Straßenstück zwischen Jodok-Fink-Straße und Eisengasse errichtet und nach Ludwig Kofler benannt. Auf der Homepage der Stadt war zu lesen „Er war ein bedeutender Pharmakologe an der Universität Innsbruck, musste aber nach 1945 seine Lehrtätigkeit aus politischen Gründen beenden.“

Tatsächlich wurde Ludwig Kofler, Professor für Pharmakognosie 1945 von der Universität entlassen, sein Gesuch, wieder aufgenommen zu werden, wurde abgelehnt. Das hatte Gründe:
Ludwig Kofler, 1891 in Dornbirn in eine Apotheker-Familie geboren, war seit 1925 Professor am neu gegründeten pharmakognostischen Institut der Universität Innsbruck. 1934 trat er in die illegale NSDAP ein. 1938, gleich nach dem "Anschluss" wurde er Zellenleiter im NS-Lehrerbund und Gaudozentenbundführer von "Tirol-Vorarlberg", eine personalpolitisch einflussreiche Stelle. 1939 wurde er Mitglied der SA und SS-Untersturmführer. Ab 1938 betrieb er - erfolgreich - die Entlassung des Anglisten Karl Brunner als Rektor. Kofler veranlasste auch die Entlassung weiterer Mitarbeiter der Universität aufgrund ihrer "politischen Einstellung", wie er selbst schrieb. Andere mit der nach seiner Ansicht "richtigen" Einstellung hingegen berief er in den Dienst der Universität.
Ab 1941 erhielt Luwig Kofler Forschungsaufträge des Heereswaffenamtes, u.a. zur Mikroanalyse von Sprengstoffen, TNT war auch dabei (Quelle). Er hatte nämlich das Heiztischmikroskop erfunden, das sich unter anderem zur Schmelzpunktbestimmung geringer Substanzmengen eignet.
Es war höchste Zeit, die Straße nach einer würdigen Person zu benennen. Es war nicht schwer, eine solche zu finden, der Zusammenhang passt auch:
Wer war der mutige Gendarm Hugo Lunardon?
Hugo Lunardon wurde als Gendarm ausdrücklich mit der Aufgabe betraut, die illegalen Nationalsozialisten ins Gefängnis zu bringen, die in Dornbirn mit Sprengstoff- und Bölleranschlägen terroristisch besonders aktiv waren. Lunardon tat dies ohne Ansehen der Person, verhaftete auch Financiers der Nazis und deren terroristischen Köpfe Anton Plankensteiner und Alfons Mäser. Dafür wurde er 1935 mit einer Verdienstmedaille ausgezeichnet. 1938 wurde Lunardon noch in der Nacht der Annexion Österreichs von den neuen Herren ins Gefängnis nach Bregenz verbracht, seine Frau und seine Kinder wurden zugleich aus der Dienstwohnung geworfen - von seinem Stellvertreter Franz Walch, der Lunardons Arbeit nach Kräften hintertrieben hatte.
Lunardon hatte als Kriegsgefangener im 1. Weltkrieg 43 Monate Gefangenschaft in unterschiedlichen sowjetischen Lagern überlebt. Mauthausen überlebte er nicht. Ein Jahr nach seiner Verhaftung wurde er dort zu Tode gebracht (Quelle).

Außer der winzig-kleinen Inschrift auf dem unauffälligen Gedenkstein beim Stadtmuseum hatte an der wichtigsten Wirkungsstätte Hugo Lunardons nichts an ihn erinnert. Jetzt hat er eine Straße in Dornbirn bekommen.
Wer war Selma Mitteldorf und was ist eine Oberfürsorgerin?
Der bisherige Hermann-Gmeiner-Park (Hatlerdorf) trägt jetzt den Namen Selma-Mitteldorf-Park. Warum Hermann Gmeiner seit 2025 nicht mehr zu den Würdigen zählt, kann HIER nachgelesen werden.
Im Herbst 1918 wurden in Dornbirn die erste Säuglingsfürsorgestelle und die Tuberkulose-Vorsorgestelle eingerichtet, wo Selma Mitteldorf als staatlich geprüfte Krankenpflegerin mit bereits umfassender Erfahrung auch in der Säuglingsfürsorge zusammen mit ihrer Berufskollegin Olga Semaka arbeitete. In jenen Jahren lag die Säuglingssterblichkeit bei etwa 20 Prozent. Zehn Jahre später, als nach Schätzung der Landesregierung etwa 75% aller Säuglinge in den Genuss der Fürorge kamen, lag sie laut Statistischem Jahrbuch Österreichs von 1929 bei 10 Prozent. In dieser Zeit wurde in Dornbirn auch die Wasserversorgung über eine Quellleitung aus Unterklien in Betrieb genommen, was jedenfalls der Gesundheit der Bevölkerung auch sehr gut tat.
Selma Mitteldorf erfüllte ihre „schweren Berufspflichten mit großem Geschick, mit Liebe und Aufopferung“, schrieb das Vorarlberger Tagblatt 1922.
Selma Mitteldorf nahm sich zehn Tage nach dem Einmarsch der Nationalsozialisten das Leben. Der Verein für Säuglingsfürsorge schrieb damals: „Wir werden der langjährigen, verdienstvollen Arbeit der Fürsorgeschwester am Dornbirner Volke ein treues Angedenken bewahren.“

Nun, ihr Grab am Friedhof Markt ist nicht mehr sichtbar. Mit der Benennung eines Parks, der gerade für Kinder bedeutsam ist, erfüllt Dornbirn das 1938 gegebene Versprechen, ihre so wichtige, so menschliche Arbeit anzuerkennen (Quelle).
Wir danken allen, die zum Verständnis der Geschichte unserer Stad beigetragen haben und dies noch immer tun.
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