Martinsruh - das Ende des städtischen Gutshofes

Martinsruh - das Ende des städtischen Gutshofes
Hofstelle Martinsruh Foto: Hanno Thurnher

Die Geschichte des städtischen Gutshofes Martinsruh in Dornbirn begann 1916 - und endet 110 Jahre später, nämlich im heurigen Jahr 2026.

Vorweg: Es ist in der jetzigen Situation die beste Lösung, den Hof in der bisherigen Form nicht mehr weiter zu führen. Entscheidend ist, dass die landwirtschaftlichen Flächen weiterhin der Lebensmitteproduktion, dem ökologischen Ausgleich und dem Hochwasserschutz dienen. Es gibt im Umfeld von Martinsruh leistungsfähige Landwirt:innen, welche die Böden bewirtschaften können und auch wollen.

Wären wir als Stadt Dornbirn 2014 mutiger gewesen und hätten in Martinsruh eine moderne, an die Stadt angepasste soziale Landwirtschaft eingeführt, könnten wir heute stolz sein auf einen Vorzeige-Betrieb. Das war jedoch mit dem Fokus auf Milchwirtschaft und den damaligen Mehrheiten nicht umzusetzen. Insoweit trauern wir Dornbirner Grüne auch um ein zukunftsfähiges städtisches Gut.

Zu Martinsruh gehören über 40 Hektar landwirtschaftliche Fläche. Es sind gute Böden dabei wie der Acker, auf dem die vormalige Bürgermeisterin einen Badeteich errichten wollte. Dort kann zum Beispiel Getreide angebaut werden. Es gibt aber auch nasse Böden, die besser als Grünland und mit Obstbäumen bewirtschaftet werden können. Streuewiesen gehören auch dazu. Nicht wenige Flächen liegen in den Mäandern der Dornbirner Ache und geraten bei intensiven Niederschlägen unter Wasser.

Flächenausstattung Martinsruh 2014, rechtsseitig der Ach durch Wasserbaumaßnahmen leicht verringert

Versuche der Erneuerung seit 2014

Wir Grüne haben bereits 2014 die Initiative ergriffen und gefordert, die Stadt möge sich mit der Zukunft des Hofes befassen, da die Verpachtung des Hofes im Jahr 2020 mit dem Pensionsantritt des Pächters ende und eine neue Nutzung geplant werden müsse. Die Art der Bewirtschaftung durch den Pächter sahen wir kritisch und pochten auf Veränderungen:

  • Der Hof solle einen öffentlichen Nutzen in sozialer und ökologischer Hinsicht stiften und der Bevölkerung auch ein besseres Bild bieten
  • Naturschutzauflagen sollten endlich eingehalten werden
  • Die aus der Pacht angesparten Mittel sollten für die Sanierung verwendet werden
  • Ideen mit sozialen Aspekten wie ein "Jugendgutshof" wie beispielsweise Heidensand in Lustenau oder das schweizer Gut Rheinau sollten aufgegriffen werden

Wir Grüne legten auch ein Konzept vor, in dem der Landschaftsgärtner Helmut Fuchs (Dornbirner Grüne) unsere Vorstellungen und sein Fachwissen zusammen fasste.

Aus der Pacht hatte die Stadt etwas mehr als 600.000 Euro für die notwendigen Sanierungen zurück gestellt. Die Sanierungkosten wurden auf 600.000 - 1.200.000 Euro geschätzt. Die 2014 eingerichtet Arbeitsgruppehatte bis 2018 zehn Mal getagt und war "einhellig der Meinung, dass ein Verkauf des Hofes in Teilen und auch als Gesamtbetrieb ausgeschlossen ist." (Amtsbereich vom 26.7.2018). Ziel war der Erhalt des Hofes als Gesamtheit. Für die Grünen war Stadträtin Juliane Alton Mitglied der Arbeitsgruppe. Sie erreichte die Zustimmung der Arbeitsgruppe zur biologischen Bewirtschaftung, die auch im Umweltprogramm der Stadt festgehalten wurde.

Es gab Interessensbekundungen von möglichen Pächtern, welche die Flächen biologisch bewirtschaften wollten. Zwei Konzepte stachen hervor: Jenes des Jugendgutshofes, vorgelegt von Eberhard Demelius (damals Mitglied der Dornbirner Grünen) und jenes der Landgenossen (Zusammenschluss der Vorarlberger Biolandwirtschaft und Vermarktungspartner mit Beteiligten wie Martinshof, Sunnahof und Vetterhof).

Es folgte 2020 endlich (und in Wirklichkeit zu spät) die Ausschreibung. Denn sowohl der Pensionsantritt des Pächters als auch das Ende der Förderperiode nach ÖPUL fielen in das Jahr 2020.

Teil des Exposés vom 14.4.2020 zur Ausschreibung des Hofes zur Verpachtung

Neun Bewerbungen waren das Ergebnis, darunter die bereits genannten Interessenten. Im Nachhinein erscheint es erstaunlich, dass das Angebot der Landgenossen nicht sofort dankend angenommen wurde. Es übertraf die Kriterien der Ausschreibung, die Qualifikation der Beteiligten war bestens belegt:

Auszug aus den Bewerbungsunterlagen der Landgenossen

Doch gab es zwei Punkte, die von Josef Moosbrugger als Ausschlussgründe vorgebracht wurden: Die Landgenossen wollten bestimmte kleine Flächen nicht selbst bewirtschaften sondern an andere Landwirte weitergeben. Weiters war er der Meinung, dass es ohne Milchvieh nicht möglich sei, den Hof ertragreich zu bewirtschaften.

So beurteilte die Landwirtschaftskammer 2014 die Wertigkeit der Böden

Dem schloss sich eine Mehrheit der Arbeitsgruppe an. Schade, denn in der Folge verengten sich die Möglichkeiten der Stadt mehr und mehr. Und vielen interessierten Landwirten wurde klar, wohin die Reise gehen sollte - und wohin nicht.

Der Sohn des bisherigen Pächters war einer der Bewerber. Er wollte mit Milchvieh weiter machen, passte sich mit seinem Konzept jedoch auch den Vorgaben der Stadt an. Mit ihm wurde in der Folge verhandelt. Doch in finanzieller Hinsicht taten sich viele Fragen auf, die aus Sicht der Stadtverwaltung nicht lösbar waren. Eine weitere Ausschreibung im Jahr 2024 war die Folge, 14 Bewerbungen gingen ein, von denen etliche die Kriterien nicht erfüllten, andere zogen nach nährer Betrachtung ihre Bewerbungen zurück. Es blieben zwei Bewerbungen übrig, eine weitere vom Pächter-Sohn, der das Gut auf Basis eines Prekariumsvertrags bewirtschaftete und die Umstellungh auf biologische Landwirtschaft in die Wege leitete. Eine weitere Bewerbung stammte von einem Lustenauer Landwirt, die von der Arbeitsgruppe jedoch mehrheitlich hinter jene von Tobias Fetz gereiht wurde.

Neue Versuche - Ideenwettbewerb 2025

Auch 2025 nach einer weiteren Ausschreibung in Form eines Ideenwettbewerbs blieb der Pächter-Sohn als einziger Bewerber übrig. Die Badesee-Idee hatte für Unsicherheiten gesorgt, wären damit doch 4,5 Hektar besten Bodens verloren gegangen.

Die Finanzierung der Sanierung stellte ein großes Problem dar, besonders kostspieleig wäre ein neuer Milchviehstall. Alles zusammen hätte etwa drei Millionen gekostet - für den Bewerber nur mit Hilfe einer städtischen Bürgschaft und einem Pachtvertrag über 30 oder mehr Jahre eventuell finanzierbar.

Für uns Grüne kam eine städtischen Bürgschaft nicht in Frage. Wir hätten darin eine nicht vertretbare Bevorzugung einer Person gesehen. Wer sonst bekommt von der Stadt eine Bürgschaft über drei Millionen für seinen Betrieb? Wir lehnten - gemeinsam mit der Verwaltung - den Abschluss eines Pachtvertrags über eine so lange Zeit mit so unsicheren finanziellen Voraussetzungen nach den bisherigen Erfahrungen ab.

Was uns jetzt wichtig ist:

  • Die landwirtschaftlichen Flächen bleiben zum allergrößten Teil erhalten und werden weiterhin biologisch bewirtschaftet
  • Bestimmte Flächen können für die Renanturierung und den Hochwasserschutz verwendet werden
  • Die Stadt wird finanziell nicht belastet, denn die Rücklagen für Martinsruh sind längst im Budget der Stadt "untergegangen"
  • Nichts wird verkauft
  • Gebäude werden so gut wie möglich genutzt, teilweise durch städtische Einrichtungen wie etwa die Gärtnerei
  • Dem Bestand an Mehlschwalben, die in Martinsruh in großer Zahl brüten (wichtigestes Vorkommen im nördlichen Vorarlberg), wird die notwendige Aufmerksamkeit zuteil, damit sie am Standort bleiben

Wir Grüne werden uns zusammen setzen und notwendige Kriterien für die Flächenverpachtung erarbeiten. So wird die über hundertjährige Geschichte des städtischen Gutshofes eine schlichte, aber sinnvolle Fortsetzung finden.

Historische Dokumente

Bericht aus dem Landwirtschaftsausschuss im Gemeindeblatt 2026
Wer kennt Martinsruh?
Gebäudebestand 1976
1978 war der Rundstall für Schweine modern
Nach der Verpachtung 1991: Tag der offenen Tür
2002 immer noch ein Ziel: Die städtischen Einrichtungen (das Krankenhaus) zu versorgen